AKTUELLES

(gießen, den 23. februar 2021) Jetzt auch noch Politik? Na ja, alles im Rahmen. Habe gestern für die Liste Gigg ein kleines Unterstützerkonzertle eingesungen. Am 14. März 2021 sind vor Ort Kommunalwahlen. Die Grünen in Hessen bekleckern sich ja nicht mit Ruhm.  Ich finde, die Neuen kann man unterstützen. Mit ein paar Liedern.

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(update vom 27. februar 2021) Schrieb die Presse - Gießener Anzeiger - heute sehr hübsch: „Beim Werben um Stimmen zur Kommunalwahl zeigen sich die Parteien nicht unbedingt erfinderisch oder gar übermäßig kreativ. Das belegen vor allem die zumeist eher langweiligen Wahlplakate, mit denen Gießens Straßenränder und Verkehrsinseln geradezu gepflastert sind. Und so sticht jede Idee aus der Wahlkampf-Masse heraus, die nicht den gängigen Formeln folgt - wie nun die von Christian Lugerth. Der unter anderem am Gießener Stadttheater tätige Schauspieler, Regisseur und Bühnenautor hat am vergangenen Dienstag ein rund 25 Minuten langes Video auf der Onlineplattform YouTube veröffentlicht, mit dem er die erstmals antretende Liste "Gießen gemeinsam gestalten (Gigg)" unterstützt. Sich selbst auf der Lakewood-Gitarre begleitend (Lieber Schreiber! Nur der Gitarrengurt ist von Lakewood. So eine teure Gitarre könnte ich mir nie leisten!) und mit Hut auf dem Kopf, huldigt der 64-jährige Künstler darin dem "guten alten politischen Lied", wie er selbst schreibt. Das dargebotene Liedgut mag nicht den Geschmack aller Zuhörer treffen, doch wie sich Lugerth hier gesanglich ins Zeug legt, nötigt einem schon Respekt ab. Wo das Video auf YouTube zu finden ist? Das darf ich Ihnen natürlich nicht verraten, wäre ja schließlich Wahlwerbung. Aber dank Suchfunktion und mit den richtigen Begriffen ist es schnell gefunden.“ Danke!

(gießen, den 11. januar 2021) Nun, April wird es werden bis es was zu tun gibt, wo wieder Menschen zuschauen dürfen. Solange räume ich meinen Gedankenschrank auf und schaffe Platz für Neues auf meinem frisch angelegten Blog: An den Rändern lauern die Erfahrungen! Desweiteren fordern die tägliche Aufgaben den Hausmann in voller Gänze. Keine Klagen. Durchhalten und gesund bleiben im 15 Kilometer - Radius. Bis denne also!

(gießen, den 22. Dezember 2020) Zum Abschluß des recht mageren Arbeitsjahres nochmal ein bisserl Gundermann gesungen. War ein schöner Abschluß, zum einen, weil es viel Spaß gemacht hat und zum anderen, weil es mir noch einmal klarmachte, daß es nicht nur ein Scheißjahr war dieses 2020, sondern das mir doch einiges an Hilfe, Emphatie, Solidarität und Unterstützung zuteil wurde. Und da meine ich nicht nur das Finanzielle. Dafür bedanke ich mich herzlichst. Allen die hier vorbeischauen wünsche ich ein friedliches und stilles Fest und ein gutes neues, zuversichtliches und vor allem gesundes Jahr das uns hoffentlich irgendwann wieder freier atmen und arbeiten lässt, auch wenn es noch dauern mag. Glück auf! Jeder Nebel lichtet sich irgendwann. Und das ist neu.

(giessen, den 7. Dezember 2020) Vor fünfzig Jahren Willy Brandts Kniefall vor dem Ghetto – Ehrenmal in Warschau. Diese Geste hat mich, der ich damals eben 14 Jahre alt geworden war, beindruckt und beeinflußt wie wenig anderes. Damals, das Bild des Engelbert Reineke war omnipräsent, ganz gewiß etwas Unbewußtes anrührend. Wir, wie viele Familien zu der Zeit, waren Mitglied im Bertelsmann – Leseclub und seit Mitte oder Ende der 60er war ein dicker Schmöker namens „Unser Jahrhundert im Bild“ Bestandteil der schmalen Hausbibliothek. Immer wieder nahm ich als Bub das Buch mit mehr Bildern als Worten in die Hand, blätterte es durch und durch und wie ferngesteuert und vom Schrecken angezogen, blieb ich immer wieder hängen an diesen 5 bis 6 Seiten, welche das abfotografierte Grauen von Auschwitz, Birkenau, Buchenwald, Bergen – Belsen zeigten. Noch heute erinnere ich mich bildhaft, daß das Foto, welches mich am meisten verstörte nicht das eines der Leichenberge oder der eben befreiten Untoten hinter Stacheldraht war, sondern eine Abbildung von vielleicht 10 oder 15 Lager - Aufseherinnen. Welches Lager, ich weiß es nicht mehr. Breitschultrige, gut genährte Frauen mit von Kälte, Brutalität und – dies vor allem – grenzenloser Stumpfheit und Leblosigkeit geprägten Gesichtern. Und ich dachte, ohne es zu wissen, auch ich bin Angehöriger der Täter, schuldig oder nicht. Zu der Zeit waren selbst im sich komplett unschuldig gebenden Konstanz die Folgen des Krieges noch gut sichtbar. Der Mann unten am Bahnhofskiosk, wo ich für meinen Vater Bier und Zigaretten kaufte, hatte eine Holzhand, einem Nachbarn fehlte der Unterschenkel, mein Geschichtslehrer hatte nur einen Arm und der Englischlehrer ein Glasauge und (so munkelte man) Granatsplitter im Kopf, weshalb ihm im Sommer bei großer Hitze gerne mal – so sagte man damals – die Hand ausrutschte. Außerdem grenzte an das Freibad Hörnle, wo wir Kinder den halben Sommer verbrachten, ein sogenanntes Versehrten- und Invalidenbad. Durch nicht ganz blickdichte Hecken konnten wir die vom Krieg zerstörten Körper beim Bad im Bodensee betrachten, hin und her gerissen zwischen Faszination und Abscheu und trotzdem: es war fester Bestandteil des Alltags: die Deformation, auch wenn von vielen ausdauernd geleugnet. Die Amputationen der Körper waren sichtbar, von denen an den Seelen sollte ich erst später erfahren. Und dies bis heute. Fast auf den Tag genau 20 Jahre nach Brandts Kniefall, ich war inzwischen Schauspieler, stand ich im Dezember 1990 in Warschau vor dem Ehrenmal, unter meinen kalten Füßen die Trümmer des Warschauer Ghettos, in meinem heißen Kopf das Bild des knienden, betenden Kanzlers. Damals war ich in Münster engagiert und wir waren vom Goethe-Institut eingeladen in Posen, Krakau, Warschau und Opole unsere Inszenierung von George Taboris „Mein Kampf“ zu zeigen. Ich spielte den Shlomo Herzl. Was ich damals an historischer Stelle begriff, aber nicht formulieren konnte und immer noch so begreife, fasste in Worte einst Hermann Schreiber im Spiegel: „Dann kniet er, der das nicht nötig hat, da für alle, die es nötig haben, aber nicht da knien – weil sie es nicht wagen oder nicht können oder nicht wagen können. Dann bekennt er sich zu einer Schuld, an der er selber nicht zu tragen hat, und bittet um eine Vergebung, derer er selber nicht bedarf. Dann kniet er da für Deutschland.“ Ich denke an die die Reichkriegsflaggen schwenkten auf den Reichtagstreppen und im Bundestag rumpöbelten. Denke nach über Demut und Verantwortung, die man übernimmt, auch wenn ohne Schuld. Freiwillig. Wie wäre es: jeden Sonntag nach dem Frühstück kurzmal – 14 Sekunden waren es damals bei Brandt – niederknien und der in der vorhergegangenen Woche Verstorbenen gedenken? Wenn eh schon die Adventskerze brennt? Es sind jetzt schon zu viele, die täglich - genau - verrecken.

(gießen, den 3. dezember 2020) Das kleine "Konzertle", welches ich im September im Auftrag der Stadt Gießen eingesungen habe, ist jetzt online. Eine schöne Geschichte, auch wenn ich beim Schauen in meine Augen das fehlende Publikum erblicke. Mitte des Monats wird im Rahmen eines anderen und sehr zu lobenden Formats ein weiterer kleiner Auftritt von mir ins Netz gehen. Mit Ausschnitten aus meinem Gundermann - Solo. Dranbleiben.