AKTUELLES

(gießen, den 19. februar 2019) Das war ein angenehmer Abend, der letzte Samstag in Freiburg. Nicht nur, aber vor allem die Premierenfeier. Die Liebste war vor Ort, mein Bruder, etliche alte Weggefährtinnen und - gefährten, sowohl dienstlich als auch privat, wohlmeinende Kollegen vom Theater Freiburg auch einige, das Auditorium applaudierte lang und freundlich und die Presse empfiehlt – so lese ich eben - die Veranstaltung weiter. Gut! Es dauerte ein bisserl bis sich die Truppe auf und vor der Bühne und generell zusammengeruckelt hatte, aber jetzt schaue ich gern und erfreut zurück. Schöne Begegnungen fanden statt. Einiges Lob erfuhr auch die Bühne, für die ich verantwortlich zeichnete. Ist nun wirklich nicht meine Hauptbegabung und so danke ich Udo Herbster, daß ich "ä bissle" aus seinem Fundus verwursten durfte. Der Raum hat funktioniert. Am Tag nach der Premiere saß ich dann auf dem Schloßberg im Biergarten bei knappen 20 Grad. Mitte Februar. Schön bescheuert. Bald nun intensive Bandproben und für Ende März eine Einladung nach Sovetsk. Zwei bis drei Lieder besingen. Gerhard Gundermann.

(gießen, den 3. januar 2019) Die Koffer sind noch nicht wirklich gepackt, morgen aber wird sein Abfahrt - via Konstanz - gen Freiburg. Freue mich sehr auf dieses dort wartende Stück Arbeit und vor allem auf eine wirklich tolle Besetzung. Las die Tage eines meiner liebsten Weihnachtsbücher und blieb immer wieder auf Seite einhundertsiebenundsechzig hängen. Muß ich jetzt zitieren. Schöner und entspannter den alltäglichen Schmerz an meinem Gewerbe beschreiben geht nicht. Ich danke der liebsten Schenkerin und Frau Altaras. Leset nun selbst:

 

"Ach, Kompromißlosigkeit! (...) Unser Beruf  ist ein einziges Abwägen zwischen dem, was wir möchten, und dem, was möglich ist. Einige können sich hart und kompromißlos verwirklichen und werden als große Künstler gefeiert, alle anderen zerbrechen daran und müssen sich weich machen und verbiegen, sie arrangieren sich mit den Gegebenheiten, sie möchten arbeiten und nicht verhungern. Wie wäre mein Leben verlaufen, wenn ich MTA geworden wäre? Oder Radiologin, ganz nach dem Wunsch meines Vaters? Mein Mann Georg bekommt schon schmale Lippen, wenn er das Wort „Kompromiß“ nur hört. Seine Kreativität geht nur ganz oder gar nicht. Er will genau die Musik komponieren, die ihm vorschwebt. Er wäre wie Anna Karenina der perfekte Kandidat für den Zug. Ich leide schrecklich mit ihm, denn er hat ja recht, nur ist der Theaterbetrieb immer mehr Betrieb und immer weniger Theater, und der Verwaltungsapparat erinnert an den der Bundesregierung. (...) Es ist so still im Raum."

 

Ich fürchte - na ja - in mir leben die Autorin und ihr Gatte und das alles und noch viel mehr. Und eben oft der hier.

(gießen, den 23. dezember 2018) War ein seltsames Jahr. Dienstlich. Und sonst. Zwei Inszenierungen, beides keine Wunschstücke, Reibung, Hadern, Wüten (vor allem nach innen), doch letztlich sehr erfreuliche Ergebnisse, viel Lob, aber das Aber. Die zwei Spielzeiten davor habe ich wohl schon ein bisserl über den Rand des Vertretbaren hinaus gearbeitet, das hängt länger im Gewand als man so denkt. Das Alter vielleicht, der Gipfel ist überschritten und auf der Rückseite nimmt der Lebensschlitten bei der Abfahrt schon gehörig Tempo auf. Muß man aufpassen. Dann diese überdrehte Hitze. Der nicht endenwollende Sommer. Fand ich sehr anstrengend. Die Gehirne werden weich, das eigene, die im sozialen Umfeld eh. Jetzt ein paar ruhige Tage, Weihnachten mit kleinem Besteck, zu zweit, bisserl Wandern, fertig. Und ach ja (Restschmerz!) mußte - war es im April? - den LahnDylanKreis verlassen, der sich daraufhin zum Sterben an den Strassenrand setzte. Aber (Riesenfreude!) es gibt eine neue Dylan - Truppe. Die Proben haben begonnen. Im April erster Gig. Allen die hier vorbeischauen wünsche ich ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen entspannten Rutsch in ein erfreuliches Neues Jahr. Ohne Hysterie und Rekorde aller Art.

(gießen, den 28. november 2018) Für obiges Foto herzlichen Dank meinem wunderbaren Bühnenbildner Udo Herbster. Wann? Wo? Bei zwei Teams und etlichen Durchläufen mag man den Überblick verlieren. War aber alles sehr entspannt. Wir hatten nicht viel Zeit und ließen es deshalb gemächlicher angehen. Besser so! Woran ich mich erinnere: erste Premiere am letzten Montag um 10 Uhr, die zweite Premiere folgte um zwölf. Anschließende Feier dauerte lang, da früh begonnen. Anderen Tags sprang mich an ein Wunschtraum, der mich schon länger begleitet: nächste Spielzeit Premiere des Märchens ... ähem ... Familienstücks an einem Sonntag 16 / 17h. Können Mami, Stiefvater und Leihoma mit den lieben Kindern gemeinsam gucken, das Bühnenbild bleibt danach stehen, so können auch die technischen Abteilungen mit den Mimen die Premiere feiern und am folgenden Montag um 11h oder so die zweite Premiere. Hat ja immer was mit nach außen und innen getragener Wertschätzung zu tun. Es ist nun mal der Abend (Na ja!), der die meisten Zuschauer ins Theater lockt. Ansonsten hatte ich einen Riesenspaß die Vorlage zu entwickeln, an der ich (und einige mehr) im Vorfeld rumgemäkelt haben. Da hatten nun andere richtig geschnuppert und eigene Reflexe sind zu hinterfragen. Basta. Die Presse war auch erfreut. Sehr sogar.

(gießen, den 3. november 2018) Jetzt waren sie da, die Zuschauer, die Presse, die Freunde, die Kollegen und am Premierenabend, der sich inklusive Feier recht lange in die Nacht zog, herrschten Freude, Erleichterung, Lob vor, auf und hinter der Bühne.  Es war ein großartiges Team, mit dem ich diesen Abend zum Laufen bringen durfte, auf jeder Position. So wurde das recht anstrengende Sichabarbeiten am Text von David Foster Wallace zwar nicht zum "unendlichen Spaß", aber auch nicht zu vergeudeter Lebenszeit. Ganz im Gegenteil, auf diese Arbeit werde ich öfters und dann etwas stolz zurückblicken wollen. Bis jetzt gibt es drei Besprechungen. Zweimal berichten Frauen, beides mal lobend, einmal im HR, einmal in der einen Lokalgazette. Im anderen Blatt schreibt ein Mann, daß unser Abend im wesentlichen den Text des von ihm offensichtlich verehrten Schriftstellers "entkernt" (oder gar enteiert?) habe und wir der Sache nicht gerecht werden. Da wo die zwei Frauen auf der Bühne von sehr guten Schauspieler dargestellte arme Würstchen verorten, sieht der Mann im Buchtext der "Fiesen Männer" Katharsispotential, welches ihm von unserer Interpretation genommen scheint. Er empfiehlt, selbst ist der Mann, gleich zum Buch zu greifen. Freue mich über Widersprüchlichkeiten bei der Rezeption des Abends. War ja selber, siehe letzten Post, während der Arbeit täglich vom Zweifel befallen. Ich tat's mit Freude. Eine literarische Welt ohne DFW? Ich könnte das wohl verschmerzen. Ordentlich befreit fahre ich nun eine Woche an die Nordsee.